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Von Treppen, Küchen und eigenem Leimholz

Von Wood-Mizer, Deutschland

Von Treppen, Küchen und eigenem Leimholz

Wir sind in Leese, im Landkreis Nienburg/Weser und besuchen Frank Ostermeyer. Wir hatten uns schon auf unserem diesjährigen Sägertreffen verabredet, denn er erzählte sehr interessant von seiner Arbeit und ist einfach ein sympathischer Mensch.

Frank ist Tischlermeister und hat seinen Betrieb im Gewerbegebiet Oehmer Feld. Gewerbegebiet – da denkt man an gläserne Autohäuser und sterile, große Hallen mit viel Beton und Asphalt drum rum – das ist hier ganz anders. Das ehemalige Militärgelände wurde in den 1940er Jahren mitten in einem Wald angelegt, die Gebäudedächer weit überstehend, mit Ausschnitten am Rand wo Bäume standen und kompletter Dachbegrünung, um für feindliche Flieger unsichtbar zu sein. Vor etwa 20 Jahren hat die Raiffeisen das Gelände gekauft und ihm ein ganz neues Leben eingehaucht. Ein Recyclinghof wurde eingerichtet, eine Biogas- und eine Kompostieranlage gebaut und Teile der Gebäude und Flächen an Gewerbebetriebe verpachtet. Der Borkenkäfer hat mittlerweile seinen Teil getan, freie Flächen geschaffen und Sonne in die grüne Umgebung gelassen.

 

 

Die Tischlerei Ostermeyer arbeitet, relativ beengt, in einem kleinen Haus mit Schleppdach. Dort steht schon gleich die LT15 – hier sind wir richtig. Rundum ist viel Blockware gestapelt – ziemlich dicke Stämme dabei, hauptsächlich Eiche und andere Laubhölzer.

Joris, der Auszubildende im 3. Jahr begrüßt uns lächelnd und sagt er holt mal den Chef. Maschinen laufen, es ist laut und zwei weitere Gesichter nicken uns freundlich zu.

Eins der Gesichter gehört Katrin, Franks Schwägerin, ebenfalls Tischlerin und seit 15 Jahren im Betrieb, das andere Hussam, ein Tischler aus Syrien, auch schon sieben Jahre dabei. Vor dem Bürgerkrieg geflohen ist er für seine genaue Arbeit geschätzt und wird als „Meister der Leisten“ betitelt. Beide arbeiten ruhig und konzentriert an einer Zimmertür. Die wird sehr schick, mit Fächern und Füllungen und wunderschöner Maserung.

 

 

„Der Schwerpunkt bei uns ist Treppenbau“ sagt Frank und wie zum Beweis schleppt Joris eine frisch gewachste Stufe an uns vorbei zum Trockengestell. „Wir bauen aber auch Türen, Küchen und andere Möbel“, er weist auf Material, das mal ein Kinderzimmer werden soll. 

Eine Besonderheit in seinem Betrieb sind die selbst hergestellten Leimholzplatten. Er hat sich für diese aufwändige Lösung entschieden, damit sich die Fronten nicht werfen und verziehen können. Weil er aber das, was er braucht, so schön wie er es braucht, von der Stange nicht bekommen kann, muss er sie selbst herstellen. „Das Holzbild für jede einzelne Front wird bewusst ausgewählt und der Kunde bestimmt bei der Zusammenstellung entscheidend mit.“ erklärt Frank. Die Aufteilung bei Küchenschränken ist ja häufig durch Sachzwänge geprägt – Breite und Höhe eines Spülers/ Kühlschranks. Bei einigen Entscheidungen hilft auch die Anwendung des „goldenen Schnitts“, eine der bekanntesten Proportionsregeln im Design, die für das menschliche Auge besonders harmonisch wirkt. Aber die Geschmäcker der Kunden was die Holzsorte angeht und wie stark oder wild eine Maserung auf dem gewünschten Möbelstück sein soll, sind sehr unterschiedlich.

 

 

Für die Herstellung dieser Dreischichtplatten kommt die LT15 ins Spiel und Meister Frank hat sich ein perfektes System ausgeknobelt, um die Lamellen herzustellen.

Vier getrocknete Bohlen, auf 48 mm Stärke ausgehobelt, leimt Frank übereinander auf ein Kantholz, um daraus 10 mm starke Lamellen zu schneiden. Das Kantholz als Unterlage bietet die Möglichkeit zu klemmen, ohne die Bohlen zu beschädigen und bis zum Ende die 10mm Lamellen zu schneiden. Die Schnitte mit jeweils 2 mm Schnittfuge machen aus jeder Bohle 4 Lamellen, wobei ein Schnitt jeweils in der Leimfuge verläuft - und zack nach vielen Schritten der Vorbereitung und Fummelei - hat man 16 Lamellen. Danach wird jede Lamelle auf 6,7 mm ausgehobelt. Jetzt kann das Holzbild für jede einzelne Front perfekt zusammengestellt und verleimt werden. Für jede Platte werden zwei dieser Zusammenstellungen benötigt, die mittlere Schicht besteht aus Holzresten auch anderer Holzsorten, auf 6,7 mm ausgehobelt, damit am Ende eine 20 mm starke Front entsteht. In der Furnierpresse eines befreundeten Betriebs werden die drei Schichten dann zusammengefügt. 

 

 

Ein wichtiger Teil in Franks Betrieb ist seit 10 Jahren eine Lauber Längsstrom-Trockenkammer mit 5m³ Fassungsvermögen. Hier werden die für die Aufträge bereits „filetierten“ Bohlen auf 9% getrocknet, meistens wird die Kammer allerdings mit wesentlich weniger Material befüllt. Vor der Anschaffung war auch dieser Bearbeitungsschritt ausgelagert. Eine computergesteuerte Fräse bringt, zu Katrins Freude, noch mehr Präzision und auch Erleichterung und Zeitersparnis in den Arbeitsalltag. Die Steuerung der Maschine arbeitet auf 0.1 mm genau.  Alle Werkzeuge sind in der Werkzeugliste gespeichert, d.h. Durchmesser und Höhe sind erfasst. Das hat erstmal viel Arbeit gemacht und man muss sich einfummeln, aber dann fängt der Spaß an: Werkzeug aufrufen und auflegen, gewünschte Maße eingeben und fräsen. Kein Probefräsen. Passt immer.

Die Lamellenproduktion ist nicht die einzige Aufgabe für die LT15 im Betrieb Ostermeyer. Frank schneidet viel Eiche und andere Laubhölzer, alles, was von der Stärke her zu hantieren ist. Für die richtig dicken Stämme lässt er einen Lohnsäger mit einer Wimmer-Säge kommen. Frank schneidet alles zuerst nur als Blockware auf und lässt es lufttrocknen. 

Kennengelernt hat er Wood-Mizer bei einem Kollegen, als er alte Kanthölzer für einen Auftrag umschneiden musste. „Die Säge passt gut in meinen Betrieb“, sagt er, „bei allen Sonderanfertigungen ist sie Gold wert und ich kann alle Dimensionen schon so schneiden, wie ich sie am besten nutzen kann.“

Das Holz kommt überwiegend von Forstämtern in der Umgebung oder auch mal Einzelstämme von Landwirten. „Die Kunden finden es immer interessant, wenn ich erzähle, wo ihre Treppe gestanden hat, als sie noch ein Baum war. Außerdem wird die regionale Herkunft immer positiv aufgenommen.“ 

 

 

Bisher läuft die Tischlerei ohne Werbung und auch eine Website gibt es nicht. Die Aufträge kommen über zufriedene Kunden, die von der exzellenten Qualität der Arbeit überzeugt sind und die Firma weiterempfehlen. Aufträge können innerhalb von 1 bis 6 Monaten fertiggestellt werden.

Das angenehme und freundliche Arbeitsklima scheint junge Leute anzuziehen, denn im Gegensatz zu anderen Handwerksbetrieben hatte Frank keine Schwierigkeiten Auszubildenden zu finden. Die erste Frage an Bewerber ist immer, ob ein Studium geplant ist. Wird diese mit ja beantwortet, ist der Kandidat raus, denn es ist zu viel Arbeit, jemandem das Handwerk beizubringen, der nicht in dem Beruf arbeiten will. Lehrling Joris hat gerade seine Zwischenprüfung mit eins bestanden und der Nächste steht schon bereit. Den kennt der Chef bereits von Zukunftstagen und ist überzeugt, dass auch er gutes Potential hat.